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Freiburger Hefte für Archäologie 17, 2015

Das Amt für Archäologie hat das Vergnügen, Ihnen die 17. Ausgabe seiner Freiburger Hefte für Archäologie vorzustellen. In diesem Jahr wurde die Prospektionstätigkeit mit Hilfe eines Metalldetektors für das ganze Kantonsgebiet unter Bewilligungspflicht gestellt. Wie fruchtbar die Zusammenarbeit zwischen Laiensondengänger und Archäologen sein kann, zeigt sich am Beispiel des Fundes eines aus der Bronzezeit stammenden Tüllenbeils. Auch sonst gibt der reich bebilderte Band einen Einblick in unser facettenreiches Tätigkeitsfeld zwischen Ausgrabung und Inwertsetzung des Kulturerbes.

Wie beim Erscheinen der Monografie über das Gräberfeld von Sus Fey in Gumefens im Frühling dieses Jahres bereits angekündigt, behandelt das Dossier in französischer Sprache die Ergebnisse der Auswertung dieser mehr als 400 Bestattungen umfassenden Nekropole. Die Erforschung des Fundplatzes hat unsere Kenntnisse nicht nur über den Bestattungsritus bedeutend erweitert, sondern auch über die Grabbeigaben und Trachtausstattung, die nur für die Zeit zwischen dem 6. und dem Ende des 8. Jahrhunderts nachgewiesen sind. Das Areal wurde nachweislich bis ins 12. Jahrhundert als Bestattungsplatz genutzt. Die menschlichen Skelettreste geben zudem Einblicke in die Lebensweise der kleinen Gemeinschaft von Gumulfingos, die auf dem Hügel von Sus Fey ihre Toten zur letzten Ruhe bettete. So wissen wir beispielsweise, dass die damaligen Bewohner hauptsächlich Getreide und Milchprodukte zu sich nahmen. Diese Ernährungsgewohnheiten erlauben der Autorin Schlüsse über die sozioökonomischen Verhältnisse zu ziehen, die zu dieser Zeit des Übergangs von kleinen ländlichen Siedlungen zu den ersten mittelalterlichen Städtchen herrschten.

Bloss ein weiteres Beil aus der Bronzezeit, denken Sie? Das zufällig in Cugy gefundene Tüllenbeil stellt eine in unserer Gegend nur selten anzutreffende Beilart dar, dessen Herkunft im Gegensatz zu den anderen drei Vertretern dieses Typus aus den Freiburger Sammlungen unwiderlegbar ist! Wenn Sie glauben, bereits alles über die Fundstelle von Vallon/Sur Dompierre zu wissen, dann lassen Sie sich eines Besseren belehren: Bei den erst kürzlich zum Vorschein gekommenen 18 Lederstücke, die von den Calceologen (Spezialisten für historische Schuhe) von Gentle Craft untersucht worden sind, handelt es sich um Schusterabfälle, die einst zu zwei verschiedenen Schuhmodellen aus der Mitte des 13. Jahrhunderts gehörten. Die dritte Studie dieser Ausgabe führt Sie in das Jahr 1000 n.Chr. zurück, denn aus dieser Zeit stammt der Einbaum aus Tannenholz, der östlich des Grenzspitzes geborgen wurde. Er konnte während eines Luftschiff-Fluges beobachtet werden, welcher der Dokumentation der prähistorischen, zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörenden Pfahlbausiedlungen des südlichen Murtenseeufers diente. Im Unterschied zu den meisten anderen mittelalterlichen Wassergefährten aus der Dreiseenregion wurde das neuentdeckte Boot aus einem einzigen Baumstamm gefertigt, eine Herstellungsweise, die in vorrömischer Zeit belegt ist. Das durch das geschulte Auge des Luftschiffpiloten Fabien Droz entdeckte Wrack wird durch die beiden für seine unterwasserarchäologische Ausgrabung und Bergung verantwortlichen Archäologen vorgestellt, der Neuenbuger Archäologe und Spezialist für Schiffsbau, Beat Arnold, stellt den Freiburger Fund überdies in seinem regionalen und überregionalen Kontext dar.



Unter der Rubrik "Aktuelles und Tätigkeiten" erfahren Sie mehr über die Entdeckung eines natürlichen Felsschutzdaches in Montagny-la-Ville/La Chetta, unter dem anlässlich einer topografischen Aufnahme und Sondierungskampagne in einer Kulturschicht aus der Mittelsteinzeit eine Feuerstelle zum Vorschein kam. Die in der Zeit zwischen 7530 und 7250 v. Chr. von Menschen aufgesuchte Fundstelle wird als Jagdrastplatz interpretiert. Die Nebengebäude der römerzeitlichen Villa von Combette in Murten, deren Hauptgebäude bereits in der Ausgabe 2010 vorgestellt wurde, sind Gegenstand eines weiteren Artikels. Die Autorin zeigt die lang dauernde Belegung dieser den Murtensee überragenden Geländeterrasse auf, die sich von der Bronzezeit bis ins Mittelalter erstreckt. In einem anderen Beitrag werden die verschiedenen Etappen eines Ausstellungsprojektes thematisiert, das im Sommer 2013 von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe in Angriff genommen wurde. Ab 2016 werden im Konventsgebäude des Franziskanerklosters acht Szenen der Hans Fries zugesprochenen Wandmalereien aus dem Lettner der Freiburger Franziskanerkirche auf Schautafeln präsentiert. Das Musée romain de Vallon beleuchtet ausserdem einige Aspekte seiner Sonderausstellung "Veni, vidi, ludique. Les jeux sont faits!", die derzeit noch im Museum zu sehen ist.

Die diesjährige Ausgabe der Freiburger Hefte schliesst wie üblich mit einem Überblick über die wichtigsten archäologischen Interventionen des letzten Jahres im Kantonsgebiet.