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In der St.-Niklaus-Kathedrale wurden Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert von aussergewöhnlicher Qualität entdeckt

Die St.-Niklaus-Kathedrale hat einen ihrer grössten Schätze preisgegeben. Bei den Reinigungs- und Konservierungsarbeiten am Retabel des Weihnachtsaltars vorne im nördlichen Seitenschiff wurden Wandmalereien aus dem 14. Jahrhundert gefunden, die noch weitgehend mit einer Tünche bedeckt waren. Die Öffentlichkeit hat bis am 7. April 2012 die Gelegenheit, diese aussergewöhnlichen Wandmalereien in der St.-Niklaus-Kathedrale zu bewundern.

Das Werk wurde entdeckt, als die Verkleidung mit Brettern auf der Rückseite des Retabels entfernt wurde, um das Mauerwerk untersuchen zu können. Die Fläche, die die Restauratorinnen des Freiburger Konsortiums Guyot & James freigelegt haben, ist gross genug, um eine erste Beschreibung des gesamten Bildes zu erlauben. Gemäss Analysen datieren die Wandmalereien aus der Zeit zwischen 1300 und 1350. Noch nie wurden in unserer Region Wandmalereien von dieser Qualität entdeckt.
Wie ein auf der Höhe der Kapitelle aufgehängter Wandteppich nimmt die mit Zierleisten eingefasste Malerei auf die Architektur Bezug. Sie nimmt die gesamte Breite der Mauer ein und zeigt vor einem teilweise blauen, teilweise mit Brokatmuster versetzten Hintergrund eine Komposition mit Tabernakeln, Türmchen und Nischen, die versehen sind mit Giebeln, Fialen, Konsolen und Gesimsen. In den Nischen sind Personnen und Szenen in unterschiedlichem Massstab abgebildet.
Die Szene mit Abraham, der in seinem Mantel die Seelen der Erlösten trägt, konnte vollständig freigelegt werden. Vom Erzengel Michael hingegen erkennt man nur gerade die eine Schale seiner Seelenwaage. Am rechten Rand des Bildes wird ein sitzendes Kind von einer kräftigen Hand gestützt: Es ist der heilige Christophorus, der das Jesuskind auf der Schulter trägt - eine Interpretation, die durch den grossen Fuss in Wasserwellen, der im unteren Teil der Nische abgebildet ist, bestätigt wird. In der Mitte der freigelegten Fläche steht ein christlicher Streiter von kleinerem Format. Die Fahnenlanze zeichnet ihn als Heerführer aus. Das Tatzenkreuz auf seinem kleinen Schild lässt an den heiligen Mauritius denken. Rechts von ihm ist ein Teil der Nachbarnische erkennbar, in der eine Gruppe von Frauen in die von einem Verkündigungsengel angegebene Richtung schauen. Ganz unten ist das Haupt eines Bischofs zu erkennen, der sich einer jungen Frau zuwendet. Es handelt sich wohl um den heiligen Nikolaus, der drei armen Mädchen mit Gold beschenkt. In der Mitte der Mauer sind die Spuren einer weggehauenen Konsole zu erkennen, auf der eine Statue gestanden hat, wahrscheinlich die Statue der Muttergottes.
Die Restaurierung der Seitenschiffe und Seitenkapellen der St.-Niklaus-Kathedrale wurde 2003 begonnen und steht kurz vor dem Abschluss. Am 8. April 2012 werden die entdeckten Wandmalereien wieder hinter dem Altarbild verschwinden.