AUFBAU EINES FLÜGELS
Ein Vogelflügel ist gleichzeitig leicht,
stabil und biegsam. Er besteht aus verschiedenen Teilen, die sich beim Fliegen
ineinanderfügen, verbiegen oder verdrehen. Die unterschiedlichen Flügelgrössen und
-formen widerspiegeln die verschiedenen Lebensweisen der verschiedenen Vogelarten. 
Vogelflügel und Menschenarme sind homolog, haben
sich im Laufe der Entwicklung aber verschieden ausgebildet, so dass ihnen heute ganz
unterschiedliche Aufgaben zukommen. Vögel besitzen nur 3 Finger. Die Handschwingen
sind an der Hand verankert, die Armschwingen am Vorderarm, die Schirmfedern am Ellbogen
und der Daumenfittich am Daumen.
Um sich in der Luft fortzubewegen, schlägt der
Vogel mit den Flügeln. Beim Aufschlag weichen die Handschwingen auseinander, was
den Luftwiderstand verringert und somit den Aufschlag erleichtert.
Durch den Abschlag erhält der Vogel Auftrieb.
Die Handschwingen liegen dabei flach aneinander und bilden eine glatte Fläche.
DAS GROSSGEFIEDER
Die Steuer- oder Schwanzfedern sind besonders beweglich.
Sie stabilisieren den Vogel im Flug und erlauben zusammen mit den Flügeln das Ausführen
von Wendemanövern. Beim Landen dienen sie dem Abbremsen.
Den Schwungfedern kommt beim Fliegen die wichtigste Rolle zu: Sie
verleihen Vor- und Auftrieb. Den Vortrieb erhalten die Vögel durch den Abschlag der Handschwingen.
Der Auftrieb ist vor allem durch die Armschwingen gewährleistet. Die innersten
Armschwingen bilden eine kleine Gruppe und werden auch Schirmfedern genannt.
Der Daumenfittich (Alula) besteht aus kleinen Federn, die
am Daumen verankert sind. Beim Langsamflug, insbesondere beim Landen, erlauben sie dem
Vogel, in der Luft das Gleichgewicht zu halten.
Bei den Arm- und Handdecken handelt es sich um kleine
Federn, die zwischen dem Flügelvorderrand und den Schwungfedern liegen. Sie verleihen dem
Flügel die aerodynamische Form.
Die Schulterfedern auf der Oberseite und die Achselfedern
auf der Unterseite schliessen im Flug die Lücke zwischen dem Körper und dem inneren
Flügelrand.
Beim Ordnen und Glätten des Gefieders fetten die meisten Vögel
ihre Federn mit einem Sekret aus der Bürzeldrüse ein. Dadurch wird das Gefieder
wasserdicht und bildet eine gute Wärmeisolation.
DER KORMORAN
Das Gefieder des Kormorans ist wasserdurchlässig. So gelangt beim
Tauchen Wasser zwischen die Federn, welches die enthaltene Luft verdrängt und damit den
Auftrieb verringert. An Land kann sich der Kormoran schnell wieder trocknen, da die Federn
wasserabstossend sind: Nach dem Tauchgang setzt sich der Kormoran auf einen Pfahl oder
einen Felsblock und öffnet die Flügel, um sie trocknen zu lassen. Manchmal werden
sie dabei heftig geschüttelt.
Der Kormoran ist ein Fischfresser. Er lebt vor allem in
Meeresnähe, entlang der Küsten oder an Flussmündungen. Er brütet in Kolonien auf
Felssimsen oder auf Bäumen. Das Gelege besteht aus 3 länglichen Eiern. Beide Eltern
brüten und helfen bei der Junganaufzucht. Die Jungen werden nach 2 Monaten flügge und
erst nach 3 Monaten unabhängig.
ZUM FLIEGEN GEBOREN
Die ganze Anatomie eines Vogels widerspiegelt seine vollkommene
Anpassung an die Fortbewegung in der Luft. Die Pneumatisation eines Teiles des Skelettes
verringert das Gewicht und gewährleistet dennoch eine hohe Stabilität. Das Brustbein
bietet den gewaltigen Flugmuskeln den nötigen Halt und die leichten und
geschmeidigen Federn bilden Tragflächen und geben dem Vogel Auftrieb.
Ein männlicher Waldkauz wiegt durchschnittlich 540 Gramm. Die
leistungsfähige Muskulatur wiegt 306 g, die inneren Organe wiegen 140 g, das Skelett und
die Federn lediglich 40 bzw. 53g.
DER WALDKAUZ
Der Waldkauz ist eine europäische Eulenart, die sich vorwiegend
von waldbewohnenden Kleinsäugern ernährt. Das Weibchen legt meist 2-4 weisse Eier in
eine Baum- oder Felshöhle. Die Bebrütung des Geleges dauert 28-30 Tage und erfolgt nur
durch das Weibchen. In den ersten 3 Wochen nach dem Ausschlüpfen werden die Jungen vom
Weibchen gehudert und gefüttert. Das Männchen bringt derweil die Nahrung herbei. Im
Alter von etwa 30 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest noch bevor sie fliegen können.
Sie verbringen die nächsten Tage im Geäst und werden von den Eltern noch gefüttert.
Nach rund 3 Monaten werden sie unabhängig.
ANDERE FLIEGENDE TIERE
Während sehr viele Insekten fliegen
können, gibt es unter den Wirbeltieren neben den Vögeln nur einige Säugetiere
der Ordnung der Fledertiere, die zu einem aktiven Flug befähigt sind. Einige
andere Tierarten vermögen dank besonderen flügelähnlichen Gebilden zu gleiten.
Der Flughund ist eine grosse asiatische
Fledermaus, die sich von Früchten ernährt. Wie alle Fledertiere besitzt der Flughund
eine Flughaut, die zwischen den 4 stark verlängerten Fingern seiner Hand und den Füssen
aufgespannt wird.
Der insektenfressende Abendsegler gehört
zu den europäischen Fledermäusen. Der Flügelschlag ist so ausgeprägt, dass sich die
Flügelspitzen beim Abschlag fast berühren. Bei 7 bis 8 Flügelschlägen pro Sekunde kann
der Abendsegler 50 km/h erreichen.
Der Temminck-Gleitflieger ist ein
baumbewohnendes Säugetier, das in Asien lebt. Er kann sich mit erstaunlicher
Geschwindigkeit von Baum zu Baum bewegen. Die Flughäute erlauben ihm bis zu 70 Metern zu
gleiten.
Beim Flugdrachen handelt es sich um eine
kleine Echse, die die Wälder Sumatras bewohnt. Um zu gleiten entfaltet er die
Hautmembranen an den Körperseiten. Dann springt er ab und landet etwas weiter unten auf
dem selben Baum. Schliesslich klettert er am Stamm entlang wieder hinauf und sucht dabei
Insekten.
Bei Insektenflügeln handelt es sich nicht
um umgeformte Gliedmassen wie bei den Vögeln oder Fledermäusen, sondern um
Hautausstülpungen. Die Flügelfläche wird beim Fliegen nicht verändert und ausserdem
besitzen die meisten Insekten 4 Flügel.
Der Schwalbenfisch lebt in warmen Meeren. Um seinen Feinden
zu entkommen, schnellt er aus dem Wasser und gleitet mit Hilfe seiner ausgebreiteten
Brustflossen in der Luft
Schon sehr früh versuchten Menschen den
Vögeln nachzueifern. In der griechischen Mythologie kam Ikarus auf seinem Flug
der Sonne zu nahe, so dass das Wachs, welches die Federn seiner selbst gebauten Flügel
zusammenhielt, schmolz.
Leonardo da Vincis (1452-1519) grosser
Wunsch war, den Menschen das Fliegen zu ermöglichen. Während seines ganzen Lebens
befasste er sich mit diesem Thema. Er arbeitete ständig an Entwürfen und zeichnete unter
anderem den Ornithopter, den Fallschirm und den Hubschrauber. Leonardo hat aber
sein Ziel nie erreicht; es fehlten ihm sowohl geeignete Baumaterialien als auch die
nötige Technik, um seinen Traum zu verwirklichen.
SEGEL - UND SCHLAGFLUG
Beim Segelflug schlagen die Vögel
nicht mit den Flügeln. Alleine durch die Fluggeschwindigkeit und durch das Ausnutzen von
Luftströmen erhalten sie an den ausgebreiteten Flügeln genügend Auftrieb. Über dem
Boden fliegende Gleiter nutzen die Warmluftsäulen, in denen sie sich spiralenförmig
hochschrauben. Gleitende Vögel über dem Meer profitieren vom über dem Wasser
herrschenden Wind und vermögen sich stundenlang ohne Flügelschlag in der Luft zu halten.
Beim Schlagflug werden die Flügel auf- und
abwärts bewegt und so gleichzeitig Vor- und Auftrieb erzeugt. Die Flügel bewegen sich
regelmässig und stossen dabei die Luft nach unten und nach hinten.
VERSCHIEDENE SCHLAGFLUGTYPEN
Die Flügelform bestimmt den Flugtyp. So ist
der Vogelflug verschiedener Arten ab unterschiedliche ökologische Ansprüche angepasst.
Die Federn der Schleiereule besitzen eine
filzige Oberfläche. Die äusseren Handschwingen sind kammartig ausgebildet, wodurch die
Fluggeräusche gedämpft werden.
Der Grünspecht ist ein Waldbewohner. Mit
seinen kurzen, abgerundeten Flügeln kann er schnelle Richtungsänderungen durchführen
und sanfte Landungen auf Bäumen vornehmen.
Die Flügel des Grünfinks sind breit und
abgerundet. Sie erlauben ihm einen wendigen Flug über kurze Distanzen.
FLIEGEN, LAUFEN, SCHWIMMEN
Kolibris leben vorwiegend in Südamerika. Sie
sind auf den Rüttelflug an Ort und Stelle spezialisiert und vermögen sogar rückwärts
zu fliegen. Sie können mit den Flügeln bis zu 78 mal pro Sekunde schlagen und
ernähren sich sich von Blütennektar oder von Insekten.
Einige Vogelarten haben die Flugfähigkeit
verloren und sind an einen Lebensraum angepasst, in welchem die Flügel keine
Bedeutung mehr haben. Es handelt sich um schwere Vögel mit kräftigen Beinen. Die
bekanntesten unter ihnen sind Strauss, Kasuar, Emu und Nandu, aber auch der
Galapagos-Kormoran (Nannopterum harrisi), der Takahé (Notornis mantelli) auf Neuseeland,
der Kagu (Rhynoclakos jubatus) in Neu-Kaledonien usw.
Der Fleckenkiwi bewohnt die
Strauchfarnwälder Neuseelands. Er besitzt keinen Schwanz und lediglich Stummelflügel und
bewegt sich mit seinen für einen Laufvogel typisch kräftigen Beine immer nur am Boden
fort.
Das Pampashuhn lebt in den Pampas
Südamerikas. Obwohl es Flügel besitzt, bleibt es praktisch immer am Boden.
Nähert sich eine Gefahr, verschwindet es lautlos oder es versteckt sich in der dichten
Bodenvegetation. Wird es von einem Feind überrascht, fliegt es schnell auf und landet
ebenso schnell wieder in der schützenden Vegetation.
Der Südpolpinguin brütet in der
Antarktis. Er ist flugunfähig und benützt seine Flügel als Flossen, wobei er beim Tauchen
45 km/h erreichen kann.
AERODYNAMIK
Im Querschnitt sehen die Flügel aller Vögel
etwa gleich aus. Vorne sind sie abgerundet und werden gegen hinten immer schmäler. Diese aerodynamische
Form erlaubt ihnen, die Luft zu durchschneiden, ohne dabei Wirbel zu verursachen.
Der Auftrieb ist durch die gewölbte
Flügelform gewährleistet: Die Luft strömt schneller über die konvexe Flügeloberseite
als über die konkave Unterseite. Dies führt zu einem Sog nach oben und somit zu
Auftrieb.
Der Körper eines Vogels ist so aerodynamisch
gebaut, dass die Luft ohne Wirbelbildung an ihm vorbeigleiten kann. Hier ein Alpensegler
im Profil.
FORTBEWEGUNG IN DER LUFT
Die Abwärtsbewegung der Flügel wird durch
zwei gewaltige Brustmuskeln ermöglicht. Diese machen mehr als 15% des
Gesamtgewichtes eines Vogels aus. Die anderen Flugmuskeln heben oder drehen die Flügel
und sind viel kleiner.
Dieser Mäusebussard vermag hauptsächlich
dank seiner grossen Brustmuskeln zu fliegen (hier ein grosser rechter Brustmuskel).
Trizeps und Bizeps dienen dazu, die Flügel auszubreiten oder zusammenzuziehen.
Verschiedene Sehnen halten die Schwungfedern in der richtigen Stellung.
DAS GEWICHTSPROBLEM
Das spezifische Gewicht der meisten Wirbeltiere
ist ungefähr 1 und liegt damit in der Nähe desjenigen von Wasser. Das spezifische
Gewicht der Vögel liegt bei 0,6. Da sie also rund 40% leichter sind als Wasser, sind
sie der Schwerkraft in geringerem Masse ausgesetzt. 
Ein Fünftel des Körpervolumens der Vögel wird
von Luftsäcken, welche mit den Lungen in Verbindung stehen, eingenommen. Die
Luftsäcke dienen zur Verringerung der Dichte und zur Bereitstellung der benötigten Menge
an Sauerstoff.
Das Gewicht des Vogelskelettes wird durch die
vielen Hohlräume in den Knochen verringert. Diesen Knochen fehlt das Mark; man nennt sie pneumatisierte
Knochen.
Dieser Oberarmknochen eines Höckerschwans zeigt
auf einer Seite das Innere eines pneumatisierten Knochens, auf der anderen Seite die
Verbindung des Atemapparates mit den Hohlräumen.