DEFINITION UND ENTWICKLUNG EINER
FEDER
Die Feder ist eine feine, leichte Hornsubstanz,
die an der Basis von einer Hauteinstülpung (Follikel) umgeben ist. Wie Haare oder
Fingernägel bestehen auch Federn aus Keratin, einem Protein, das der Feder sowohl
Elastizität wie Stabilität verleiht. 
Am Anfang der Federentwicklung teilen sich Federkeimzellen
sehr schnell und bilden eine Hornröhre, die von einer dünnen Federscheide umgeben
ist und bald aus den Follikeln hervortritt. In der Röhre befindet sich die Pulpa,
welche Blutgefässe und Nerven enthält.
Nach einigen Tagen erreicht die Hornröhre ihre
vollständige Grösse und die Feder tritt hervor. Durch Reibung verschwindet nun
die Federscheide und an der Basis des Federschafts entsteht durch Verhornung die hohle
Federspindel. Am Ende der Entwicklung ist die Feder ein totes Gebilde, die
Blutzufuhr ist gestoppt. Die Feder ist jedoch einer Reihe von Umwelteinflüssen und
-veränderungen ausgesetzt.
AUFBAU EINER FEDER
Eine Feder besteht aus einem zentralen Kiel, der
im oberen Teil Schaft und im unteren Teil Spindel genannt wird sowie aus
Seitenästen. Die Spindelbasis ist in der Haut verankert und mit Muskeln verbunden.
Beidseits des Schafts bilden die Federäste die Aussenfahne (dem Wind ausgesetzt,
nach unten gebogen) und die Innenfahne (dem Wind abgewandt, leicht nach oben gekrümmt).
Die Federäste tragen Federstrahlen, die durch Hakenstrahlen
zusammengehalten werden. Um eine zerzauste Feder wieder zu glätten, braucht der Vogel sie
nur durch den Schnabel zu ziehen
VERSCHIEDENE FEDERTYPEN
Die Konturfedern bilden den
auffälligsten Teil des Gefieders: Beim Kleingefieder handelt es sich um kleine
Federn, die den Rumpf, den Kopf, die Flügelansätze und den Schwanzansatz bedecken. Die Schwungfedern
bilden die Tragfläche der Flügel, die Steuerfedern bilden den Schwanz.
Die Daunen- oder Dunenfedern befinden sich
nahe am Körper unter den Konturfedern. Sie besitzen lose Federstrahlen; der Schaft fehlt
oder ist sehr kurz.
Fadenfedern bestehen aus einem
fadenförmigen Schaft und tragen an der Spitze einige Federäste. Sie liegen zwischen
andern Federn. Ihre Basis ist von Nerven durchzogen. Wahrscheinlich dienen sie bei der
Gefiederpflege dazu, die andern Federn wieder zu ordnen.
Die Borstenfedern besitzen lediglich einen
nackten Schaft und sehen aus wie Haare. Sie befinden sich meist am Schnabelwinkel oder am
Augenrand bei Greifvögeln, Seglern, Nachtschwalben usw.
WIE ERHALTEN FEDERN IHRE FARBE
Die verschiedenen Federfarben kommen auf zweierlei
Arten zustande: durch Pigmente oder durch die Struktur der Federn selbst,
d.h. durch Licht-Absorption oder durch Interferenz (wechselnde Lichtbrechung an den
Federstrahlen).
Das rosa Gefieder des Chilenischen Flamingos
kommt durch Karotinoide zustande. Diese gelben, orangen oder roten Pigmente werden
mit der Nahrung aufgenommen und praktisch unverändert in die Federn eingelagert.
Der Grünschwanz-Glanzstar erhält seine blaue
Farbe aufgrund der Struktur der Federäste. Diese reflektieren nur den Blauanteil des
Lichtes und absorbieren die andern Lichtstrahlen.
Die Federn des Quetzal erhalten ihre grüne
Farbe durch Kombination der von den Federästen reflektierten blauen Lichtstrahlen mit
den eingelagerten gelben Karotinoiden.
Die weissen Federn des Seidenreihers
sind auf das Fehlen von Pigmenten sowie auf die Reflexion des gesamten Lichtspektrums
zurückzuführen.
Die Rabenkrähe bildet in besonderen Zellen
der Haut unter dem Einfluss von Hormonen Melanin. Dieses Pigment ist vor
allem für schwarze, aber auch für braune bis hellgelbe Farbtöne verantwortlich.
Die Elster trägt sowohl schwarze
(Melanin-Pigmente) als auch weisse Federn (Fehlen von Pigmenten, Reflexion aller
Lichtstrahlen). Die metallisch glänzenden Schillerfarben entstehen durch die
besondere Struktur der Federäste.
DIE MAUSER
Die Mauser der Vögel dient der Erneuerung von
abgenutzten und abgefärbten Federn. Bei einer Teilmauser wird nur das Kleingefieder
(kleine Federn, die den Rumpf, den Kopf, die Flügelansätze und den Schwanzansatz
bedecken), nicht aber die Schwung- und Steuerfedern ersetzt. Bei einer Vollmauser
werden alle Federn erneuert. Die Mauser läuft geordnet nach einem artspezifischen Schema
ab. In der Regel sind Mauser und Fortpflanzung zeitlich getrennt, da beide für den Vogel
eine grosse körperliche Belastung bedeuten.
Beim Star vollziehen sowohl Alt- als auch
Jungvögel nach der Brutzeit eine Vollmauser. Dieser Star starb an einem 14. September. Am
Hals ist ersichtlich, dass er gerade eine Vollmauser abschloss.
Der Zilpzalp mausert sich jedes Jahr zweimal: einmal nach
der Brutzeit zwischen Juli und Oktober (Altvögel: Vollmauser, Junge: Teilmauser) und
einmal im Winterquartier (Alt- und Jungvögel: Teilmauser). Dieser Zilpzalp starb an einem
13. Oktober. Die Mauser ist bereits abgeschlossen
DIE SOZIALE FUNKTION DER FEDER
Bei zahlreichen Arten besitzen die Männchen
leuchtend farbige Federn, die dazu dienen, Weibchen zu umwerben und bei der Revier-
und Weibchenverteidigung Rivalen abzuhalten. Die Funktion eines farbenprächtigen
Gefieders entspricht somit dem Gesang der Männchen. Weibchen und Jungvögel sind
häufig viel unauffälliger gefärbt; sie sind so besser getarnt und vor Feinden
besser geschützt. Zudem werden sie so vom Männchen nicht für Rivalen gehalten.
Der Fasan stammt ursprünglich aus Asien.
Er wurde in Europa zu Jagdzwecken ausgesetzt. Zwischen April und Juni erfolgt die Ablage
der 7 bis 15 Eier in eine flache Mulde, die mit Gräsern und alten Blättern auskleidet
ist. Das Weibchen bebrütet die Eier während 23 bis 27 Tagen und kümmert sich alleine um
die Jungenaufzucht. Die Küken sind Nestflüchter und werden nach 14 Tagen flügge. Sie
bleiben bis im Herbst bei der Mutter.
TARNFARBEN
Manche Vögel tragen ein Tarngefieder, das als
Anpassung an die Umgebung dient. Sie entziehen sich so den Blicken ihrer Feinde. Man
unterscheidet zwischen Homochromie (Anpassung der Farben) und Homotypie
(Anpassung der Formen).
Das Alpenschneehuhn lebt im Gebirge bis auf
3700 Meter. Es ändert die Gefiederfarbe je nach Jahreszeit. Im Sommer trägt es ein
helles Gefieder mit dunklen Flecken und ist dadurch in Geröllhalden und zwischen
Schneefeldern nur schwer zu entdecken. Im Winter ist es fast vollständig weiss und damit
bestens dem Schnee angepasst (Homochromie).
Die Waldschnepfe lebt in Feuchtwäldern. In
der Nacht sucht sie Würmer, indem sie mit ihrem langen Schnabel den Boden abtastet.
Tagsüber schmiegt sie sich an den Boden und schläft. Aufgrund ihres braun-schwarzen
Gefieders ist sie zwischen den abgestorbenen Blättern bestens getarnt (Homochromie).
Der Ziegenmelker ernährt sich von
Insekten, die er im Flug erhascht. Er jagt vor allem in der Dämmerung, aber auch in der
Nacht. Tagsüber sitzt er in Längsrichtung auf einem Ast und sieht so selber aus wie ein
Ast (Homotypie).
DIE SOZIALE BEDEUTUNG DER FEDER
Das Gefieder spielt im sozialen Leben der
Vögel eine wichtige Rolle. Es dient als optisches Signal und erlaubt die Unterscheidung
der Geschlechter sowie der verschiedenen Altersstufen.
Der Gelbwangenkakadu kann seine Haube
aufrichten und sich so mit Artgenossen verständigen. Dadurch werden Gegner
eingeschüchtert, Rivalen abgehalten oder bei der Balz Weibchen angelockt.
FEDERN BEDEUTETEN IN SUDAMERIKA, WAS GOLD IN
EUROPA
An der Art des Federschmuckes konnte man die
Zugehörigkeit zu einem Stamm, den Mut, die Würde eines Menschen und seine soziale
Stellung erkennen. Federn hatten auch bei verschiedenen Feierlichkeiten eine Bedeutung;
sie dienten als Schmuck und erlaubten die individuelle Erkennung
Der Ausdruck "Sich mit fremden Federn schmücken" ist in
Südamerika nicht bekannt (A. Bravo).
DIE WÄRMEREGULIERUNG
Vögel gehören zu den warmblütigen Tieren,
d.h. die Körpertemperatur bleibt unabhängig von der Aussentemperatur immer konstant. Die
Federn spielen bei der Wärmeregulierung eine wichtige Rolle: Sie schützen vor Kälte,
Hitze, Wind und Regen.
Eiderenten brüten im hohen Norden : in
Grönland, Island und Skandinavien. Sie ernähren sich von Muscheln, die sie unter Wasser
erbeuten. Sie nisten in Kolonien in Dünen oder zwischen Felsen. Nach der Eiablage
bedecken die Weibchen das Gelege mit ihren eigenen Daunenfedern, um es während der
Bebrütung noch besser vor Kälte zu schützen.
Die Daunen der Eiderenten werden von den Menschen
nordischer Länder eingesammelt, um damit Daunendecken herzustellen. Der Name
"Eider" stammt vom isländischen "aedar"(Eiderente).
DER VOGELFLUG
Im Gegensatz zu allen anderen Tiergruppen tragen
Vögel ein Federkleid. Federn, insbesondere Schwung- und Steuerfedern erlauben die
Fortbewegung in der Luft.
"Der Flug der Falkenraubmöwe
übertrifft in Eleganz und Leichtigkeit noch denjenigen anderer Raubmöwen. Er steht dem
Flug der Seeschwalben in nichts nach. Gerne segeln Falkenraubmöwen hoch am Himmel,
spielen mit dem Wind oder segeln an Ort und Stelle" (P. Géroudet).
Die Falkenraubmöwe ist ein Meeresvogel des hohen
Nordens. Sie verfolgt andere Vögel, vor allem Möwen und Seeschwalben, bis diese ihre
Beute fallen lassen, die dann von der Raummöwe noch in der Luft ergriffen und
verschlungen wird.