Biologie des Weissstorches
Beschreibung
Altvögel:
- Storch und Störchin haben ein gleiches Aussehen
- Kopf, Körper und Schwanz sind weiss
- die Flügel sind weiss, aber die Schwungfedern schwarz
- Schnabel und Beine sind rot
Jungstörche:
- gleichen den Eltern
- die Schwungfedern sind braun
- der Schnabel ist vorerst dunkel, später wechselt er zu rot über
- die Beine sind rot-braun
Körperlänge: etwa 1 m
Flügelspannweite: bis 160 cm
Mittleres Gewicht: 3000 - 4000 g
Stimme: Störche klappern
Fortpflanzung
- Geschlechtsreife: 2 - 3 Jahre
- Gelege: 3 bis 5 weisse Eier zu 110 g, die in Abständen von 2 bis 3 Tagen gelegt werden
- Bebrütung: 31 bis 32 Tage
- Aufenthalt im Nest: 54 bis 68 Tage
Nahrung
Insekten, Regenwürmer und andere Wirbellose, Kleinsäuger und Amphibien (Frösche und Lurche)
Sterblichkeit
60 -75 % der Jungen sterben, bevor sie 1 Jahr alt sind
20 - 25 % der Altvögel sterben jedes Jahr bei Unfällen an elektrischen Leitungen und als Jagdbeute
Einige Bedrohungen und ihre möglichen Lösungen
Lebenserwartung
ein Storch wurde 39 Jahre alt
Verbreitung des Weissstorch in der Schweiz
Schmid, H. et al. (1998) : Schweizer Brutvogelatlas. Verbreitung der Brutvögel in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein, 1993-1996. Schweizerische Vogelwarte, Sempach.
Geschichtlicher Hintergrund
Früher war der Storch überall in Europa verbreitet. Zu Beginn des Jahrhunderts zählte man in der Schweiz 150 Brutpaare!Seither ist der Bestand überall in Europa zurückgegangen. Vor allem in den zwanziger Jahren wurde der Storch in Frankreich stark bejagt. Damit war sein Rückgang besiegelt.
Storchenbestand in der Schweiz :
1900: etwa 140 Brutpaare
1920: etwa 50 Brutpaare
1930: etwa 16 Brutpaare
1949: 1 einziges Brutpaar
1950: kein Brutpaar mehr
Ab 1948 versuchte Max Bloesch, Jungstörche aus dem Elsass und aus Osteuropa in Altreu bei Solothurn, anzusiedeln. Von 1955 bis 1961 wurden 262 Jungstörche aus Algerien in die Schweiz eingeführt. 1960 brütete erstmals wieder ein freifliegendes Storchenpaar in der Schweiz.
Storchenbestand in der Schweiz :
1973: 26 Brutpaare
1983: 90 Brutpaare
1993: 145 Brutpaare
1998: 167 Brutpaare, von denen nur 120 erfolgreich waren
Erklärungen für die Populationsentwicklung:
Die Bestandsentwicklung des Weissstorchs ist sehr gut bekannt. Der Rückgang bis in die 1980er Jahre und die anschliessende Zunahme ist auf das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zurückzuführen.
Die Trockenlegung von Feuchtgebieten, Flussregulierungen und die Intensivierung der Grünlandnutzung bei gleichzeitig vermehrter Anwendung von Pestiziden haben die Nahrungsgrundlage im Brutgebiet beeinträchtigt. Die Zunahme der Verdrahtung führte zudem zu vielen Todesfällen in Folge von Stromschlägen. In der Sahelzone hatte die Trockenheit in den 1970er und Anfang 1980er Jahre eine höhere Winter-Sterblichkeit zur Folge. Die Entwicklung des mitteleuropäischen Storchenbestandes erfolgte parallel zur Niederschlagsmenge und zur Häufigkeit von Heuschrecken im Überwinterungsgebiet. In der Tat gehören wandernde Heuschrecken in manchen Jahren zu den wichtigsten Nahrungsressourcen. Die Bekämpfung von Heuschrecken mittels verschiedener Gifte führt häufig zu Todesfällen (Vergiftungen) bei Störchen. Ausserdem wurden (und werden z.T. heute noch) Störche sowohl in Westafrika wie in Frankreich und Spanien bejagt.
Die Zunahme der Westpopulation der europäischen Weissstörche ist weniger auf eine ökologische Aufwertung der Bruthabitate - der Bruterfolg ist nach wie vor sehr gering - als vielmehr auf Veränderungen in den Durchzugs- und Überwinterungsgebieten zurückzuführen. Der Anstieg in Mitteleuropa in den letzten 10 Jahren kann teilweise mit dem Ende der Trockenperiode im Sahel ab Mitte der 1980er Jahre erklärt werden. Gleichzeitig führten Veränderungen in Spanien zu einer dortigen Zunahme der Brutpaare, aber auch der Überwinterer: In den neuen Bewässerungsfeldern konnte sich ein eingeschleppter Krebs stark vermehren und wurde zu einer wichtigen Beute für Störche. Vermehrte Mülldeponien erlaubten den Störchen ausserdem die Nutzung einer weiteren (ganzjährigen) Nahrungsquelle. Bestimmt haben die Veränderungen in Spanien auch die mitteleuropäischen Populationen beeinflusst.
Bestandestrends des Weissstorchs
Weitergehende Informationen zur Bestandesentwicklung des Weissstorchs finden sich im Artikel "Der Weltbestand des Weißstorchs (Ciconia ciconia) -
Ergebnisse des 5. Internationalen Weißstorchzensus 1994/95".
Aufwärts-Pfeile : Anzahl der Brutpaare zunehmend
Abwärts-Pfeile : Anzahl der Brutpaare abnehmend
Quadrate : Anzahl der Brutpaare stabil oder leicht fluktuierend
* : Anzahl der Brutpaare sehr klein
Schulz, H. (1999) : Weissstroch im Aufwind ?- White Storks on the up ?
Proceedings, Internat. Symp. on the White Stork, Hamburg 1996. NABU, Bonn, 335-350.
Der Vogelzug
Die Störche aus der Schweiz ziehen über Gibraltar nach Afrika.
Mitte Juli - Anfang August
Umherstreifen der Jungvögel (Jugenddispersion)
August - September
Flug nach Süden
November - Dezember
Ankunft in den südlichsten Winterquartieren
Januar - Februar
Beginn des Rückflugs
Fragen:
- Wandern die Störche aus der Schweiz ?
- Ziehen Störche einer Region gemeinsam ?
- Bleiben sie bis zum Rückflug beisammen ?
- Kehren sie gemeinsam zurück ?
- Haben sie bestimmte Rastplätze ?
- Nehmen alle die gleiche Flugroute ?

