Der Zug der Rotmilane

Milan Rose avec sa balise

Die weitaus meisten mitteleuropäischen Rotmilane ziehen auf die Iberische Halbinsel, wo bis zu 40'000 Individuen überwintern. Ein beachtlicher Teil verbringt den Winter in Frankreich. Brutvögel aus Osteuropa überwintern vor allem im Balkan.

Jungvögel ziehen durchschnittlich früher und weiter als Altvögel. Manche Jungvögel scheinen bis zum Erreichen des fortpflanzungsfähigen Alters (nach 2 Jahren) im Überwinterungsgebiet zu bleiben. Andere fliegen bereits nach dem ersten Winter ins Brutgebiet zurück. Über Brutorts-, Geburtsorts- und Überwinterungsortstreue gibt es nur wenig Angaben.

Überwinterung

Während die meisten Individuen die kalte Jahreszeit im Mittelmeerraum, vor allem in Spanien, verbringen, kam es in neuerer Zeit immer häufiger zu Überwinterungen in Mitteleuropa. In der Schweiz stellte man regelmässige Überwinterungen ab den 1960er Jahren fest. Im Winter 1970/71 wurde bei Neerach (ZH) erstmals ein gemeinsamer Schlafplatz entdeckt. Seither entstanden mehrere weitere Schlafplätze, wobei die Anzahl Individuen an den Schlafplätzen in den Kantonen ZH, JU und FR zeitweise jeweils weit über 100 Individuen betrug.

Im Jura und im Kanton Zürich spielte bei der Entstehung der Schlafplätze wohl das künstliche Nahrungsangebot eine Rolle (Fütterungen und Mülldeponien). Die Anzahl Überwinterer hängt wahrscheinlich weniger von der Strenge des Winters als vom Brutbestand und von den Zuzügen aus nördlichen Gebieten ab.

Das vermehrte Auftreten von Schlafplätzen ist offenbar vor allem auf zwei Faktoren zurückzuführen:

1) ein gehäuftes Auftreten von milden Wintern in den 1960er und 1970er Jahren.
2) eine Zunahme grösserer Müllhalden. 

Über die Alterszusammensetzung an den Winter-Schlafplätzen herrscht Uneinigkeit. Während verschiedentlich darauf hingewiesen wurde, dass solche Gemeinschaften lediglich aus Altvögeln bestehen, gibt es auch mehrere Nachweise von anwesenden Jungvögeln.

Von den Schlafplätzen aus können tagsüber Entfernungen bis 30 km zurückgelegt werden zur Aufsuche von günstigen Nahrungsquellen.

Milan hivernage