Die Bestandsentwicklung des Rotmilans in der Schweiz

Ende des 19. Jahrhunderts war der Rotmilan in der Schweiz weit verbreitet und brütete bis in die Alpentäler hinein. Danach scheint ein grosser Bestandszusammenbruch stattgefunden zu haben und gleichzeitig nahm das Brutgebiet in der Schweiz um zwei Drittel ab. Der Rotmilan brütete fast nur noch in manchen Teilen des nördlichen Juras. Erst ab etwa 1945 schien sich der Rotmilan zu erholen. 1970 wurde der Bestand auf 90 Paare geschätzt. In den 1970er und vor allem in den 1980er Jahren hat sich die Verbreitungsgrenze wieder gegen Süden verschoben. Am auffälligsten war diese Ausbreitung im Seeland sowie zwischen Thuner- und Neuenburgersee. Mitte der 1980er Jahre brüteten in der Schweiz 235-300 Paare. Die Zunahme und Ausbreitung schritten in den folgenden Jahren noch weiter voran. In den 1990er Jahren nahm man in der Schweiz einen Gesamtbestand von etwa 1000 Paaren an.

Gründe für die Brutbestandszunahme in der Schweiz sind u.a. der Schutz der Greifvögel in den Durchzugs- und Überwinterungsländern, die zunehmende Überwinterung in der Schweiz sowie ein erhöhtes Nahrungsangebot durch offene Mülldeponien.

… und in Europa

Das kleine Brutareal des Rotmilans ist (abgesehen von wenigen Paaren auf den Kapverdischen Inseln, in Marokko und in Armenien/Aserbaidschan) auf einige Teile Europas beschränkt. Fast zwei Drittel des Weltbestands von 19'000-32'000 Paaren brüten in Mitteleuropa.

Bis etwa 1950 wurde die einst häufige Art durch Abschuss, Vergiftung und Horstplünderung stark dezimiert. In der Folge verschwand der Rotmilan als Brutvogel in weiten Gebieten. In den letzten Jahrzehnten war hingegen mancherorts (z.B. in Frankreich, in Polen und in der Schweiz) eine Zunahme und eine Ausdehnung des Verbreitungsgebietes zu verzeichnen. Im Südwesten und im Osten Europas hält der Rückgang weiterhin an. Man schätzt, dass zwischen 1970 und 1990 etwa 20% der Teilpopulationen in Europa eine Abnahme aufwiesen.

Wie schnell die Art auf Umweltveränderungen reagieren kann, zeigte sich z.B. in Sachsen-Anhalt (Deutschland), wo der Bestand nach Veränderungen im Kulturland (Rückgang der Grünlandwirtschaft und Zunahme des Maisanbaus) ab 1990 sehr schnell und stark abnahm.

Der Rotmilan gehört zur Zeit nicht zu den stark bedrohten Vogelarten. Wenn es aber grossflächig zu landschaftlichen Veränderungen kommt, kann infolge des kleinen Brutareals der Bestand ziemlich schnell abnehmen.

In Deutschland wiesen zwischen 1953 und 1993 gelegte Eier zudem signifikant geringere Schalendicken und Schalenmassen auf, als Eier, die zwischen 1854 und 1943 gelegt wurden.

Als Gefährdungsursachen werden mehrere Faktoren angegeben:

  • Lebensraumverlust durch Verbauungen und Flurbereinigungen
  • Rückgang der Nahrung infolge der Ausräumung der Landschaft und der Intensivierung der Landwirtschaft.
  • Vergiftung durch Pestizide und durch Auslegung vergifteter Köder
  • Verluste durch Stromleitungen
  • Verluste durch Strassenverkehr
  • Bejagung
  • Störungen an den Brutplätzen durch Freizeitnutzung und Forstarbeiten