Der Rotmilan Oscar ist tot!

20.03.2013 | 10:30

Seit geraumer Zeit wurde der besenderte Rotmilan Oscar von den Satelliten immer in derselben Gegend im französischen Departement Tarn geortet. Zudem begannen sich die Sendersignale zu verändern. Es musste befürchtet werden, dass der Vogel umgekommen ist. Gestern früh fanden Ornithologen Oscar und seinen Sender. Zurzeit wird versucht die Todesursache zu ermitteln.

Verfolgen Sie seinen Vogelzug

Oscar ist Ende April 2004 bei Prez-vers-Noréaz (Kanton Freiburg) geboren und wurde als Nestling mit einem Solar-Sender versehen. Dieser erlaubte bis gestern, d.h. während fast 9 Jahren, praktisch täglich mehrere Ortungen. Oscar ist somit jenes Tier, das weltweit am längsten mit ein und demselben Sender verfolgt werden konnte. (Die Störchin Max konnte während 13 Jahren lokalisiert werden, doch mussten wir ihren Sender zweimal ersetzen).

Oscar hat jeden Winter nördlich der Pyrenäen, an der Grenze der beiden französischen Departementen Haute-Garonne und Ariège verbracht. Er sorgte als knapp Einjähriger für Aufsehen, als er den Frühjahrszug vom Winterquartier in die Westschweiz gleich zweimal ausführte: Ende April 2005 zog er in nur vier Tagen von Südfrankreich bis in den Kanton Waadt und kehrte wenige Tage später ins Winterquartier zurück! Nach weiteren zwei Wochen flog er wiederum in die Westschweiz. Es war dies der erste Nachweis eines Vogels, der im selben Frühling die Wanderung zweimal auf sich nahm. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, aber im folgenden Jahr wiederholte sich das Szenario.

Im Jahr 2007, als Oscar knapp dreijährig war, begann er zum ersten Mal bei Moudon (VD) zu brüten und zog seither fast alljährlich erfolgreich Junge auf.

In den letzten Jahren fiel der Vogel auf, da er sein Winterquartier jeweils schon Ende Dezember oder im Januar verliess. Am 30. Januar 2013 begann er seine elfte Rückreise in Richtung Westschweiz, gelangte aber nur bis Réalmont (Tarn, Frankreich), wo er umkam.

Dank Zusammenarbeit mit Mitgliedern der Vogelschutzorganisation LPO Tarn, fanden lokale Ornithologen nur wenige Stunden, nachdem sie informiert wurden, den Kadaver und den noch funktionierenden Sender. Nun sollen Röntgenaufnahmen und Laboruntersuchungen aufzeigen, was die Todesursache ist. Immer wieder werden in Frankreich Rotmilane und weitere Greifvögel geschossen und vergiftet.

Mit freundlichem Gruss


Adrian Aebischer
André C. Fasel
Direktor
Naturhistorisches Museum
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