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Freiburger Hefte für Archäologie 19, 2017

Die 19. Ausgabe der Freiburger Hefte für Archäologie fällt mit dem Europäischen Jahr des Kulturerbes zusammen. Zugleich handelt es sich auch um das letzte Heft, das in dieser Form unter der Federführung der Kantonsarchäologin Carmen Buchillier veröffentlicht wird. Für sein 20-Jahr-Jubiläum Ende 2018 wird es in neuem Gewand erscheinen. Auch in diesem Jahr bietet das Amt für Archäologie eine spannende Auswahl von Beiträgen, in denen Ergebnisse aus Notgrabungen, Sondierungen, Baustellenüberwachungen oder Bauanalysen präsentiert werden. Der Themenschwerpunkt liegt dabei auf einer Fundstelle, die im Jahre 2003 auf dem Trassee der Umfahrungsstrasse von Bulle - La Tour-de-Trême entdeckt und untersucht worden ist.

Bei der Fundstelle von Les Partsis in La Tour-de-Trême handelt es sich um einen Lagerplatz, an dem zwischen dem 10. und 6. Jahrtausend v.Chr. steinzeitliche Jäger und Sammler während ihrer Jagd rasteten. Es haben sich eine Grube, sieben Feuerstellen und eine Aschenkonzentration erhalten. Unter den gefundenen Steinartefakten befinden sich mehrheitlich Geräte aus regionalen Rohstoffen wie Radiolarit und Quarzit, aber auch solche aus ortsfremdem Feuerstein. An derselben Fundstelle sind die Archäologen auch auf zwei Körperbestattungen aus dem Beginn der Bronzezeit (1800-1700 v.Chr.) gestossen. Die Verstorbenen trugen aussergewöhnliche Schmuckstücke wie Nadeln und Halsringe.



Aus dem alten römischen Hafen von Joressant und der Brücke von Le Rondet (Gemeinde Mont- Vully) stammt das grösste Ensemble von Joch-Bestandteilen des römerzeitlichen Europas. Es fanden sich unter anderem Nachweise für die Verwendung des Kummetgeschirrs. Die Häufung dieser sonst eher seltenen Fundobjekte kann vielleicht im Zusammenhang mit der Verlagerung militärischer Truppen gesehen werden, die über die Brücke von Le Rondet marschierten, wie beispielsweise die Soldaten der berühmten, "Rapax" genannten LEGIO XXI !

Die Untersuchung des "Maison de Prez-Maillardoz" in Rue erlaubte, die verschiedenen Umbauphasen zwischen dem 12. und 19. Jahrhundert zu fassen. Das Hauptgebäude besitzt drei monumentale Kamine, von denen sich einer durch eine geschnitzte Rahmung mit farbigem Fries aus dem 14. Jahrhundert auszeichnet, der seinesgleichen sucht. Im selben Trakt befinden sich zudem zwei Säle mit einem aussergewöhnlichen gemalten Dekor. Im Bauwerk, bei dem es sich um das grösste Herrschaftshaus ausserhalb der Stadt Freiburg handelt, findet sich auch die älteste erhaltene Wendeltreppe des Kantons.

Bei begleiteten Restaurierungsarbeiten am Zisterzienserinnenkloster Magerau in Freiburg konnte im Vestibül ein Mörtelboden freigelegt werden, der ein ungewöhnliches rot-weisses Schachbrettmuster zeigt. Durch weitere Hinweise konnte zudem die bisherige relative Chronologie zwischen Kirche und Kloster bestätigt werden. Im Obergeschoss des Ostflügels liess sich dank der Analysen die Rekonstruktion von 18 Fenstern vornehmen, was in der mittelalterlichen Bauforschung selten möglich ist.

Unter den vorgeschichtlichen Hinterlassenschaften, die bei Rettungsgrabungen zu Tage gebracht wurden, sind die Überreste von drei Gräbern in Rossens zu erwähnen (Bronze- und Eisenzeit), von denen zwei mehrere Keramikgefässe bargen. In Prez-vers-Noréaz kam es dagegen zur Entdeckung einer mit Eisenschlacken verfüllten Grube aus der Älteren Eisenzeit, die von einer der ersten Metallwerkstätten des Kantons zeugt.



In der Murtener Hauptgasse erlaubte die Begleitung von Umbauten in einem der Häuser die verschiedenen Bauphasen zu dokumentieren.
Möge in diesem dem europäischen Denkmal gewidmeten Jahr die neuste Ausgabe der Freiburger Hefte dazu beitragen, die Bevölkerung für unser Kulturerbe, sei es nun archäologischer oder historischer Natur, zu sensibilisieren.