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Ein ehrgeiziges, praxistaugliches Projekt für den Erwerb funktionaler Kenntnisse einer Partnersprache sowie weiterer Fremdsprachen

Die Direktion für Erziehung, Kultur und Sport schickt mit Zustimmung des Staatsrats ein kantonales Konzept für den Sprachenunterricht in die Vernehmlassung. Dieses dient zur Förderung des Erwerbs der Partnersprache sowie weiterer Fremdsprachen vom Kindergarten bis zur Orientierungsschule und auch auf der Sekundarstufe 2. Nach diesem ehrgeizigen Konzept, bei dem die Umsetzbarkeit im Vordergrund steht, ist vorgesehen, alle Möglichkeiten für den Erwerb und die Vertiefung von Sprachkenntnissen zu nutzen. Das Konzept, ein Impulsprojekt für einen zweisprachigen Kanton, beinhaltet neun Vorschläge, wie der Erwerb funktionaler Kenntnisse einer Partnersprache oder Fremdsprache gefördert werden soll. Für die Umsetzung des Konzepts, die voraussichtlich fünf Jahre dauern wird, sind an die 40 Vollzeitstellen sowie Finanzmittel von über eine Million Franken für Weiterbildungs-, Begleit- und Unterstützungsmassnahmen vorzusehen.

Intensivierung, Neuerungen und Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Sprachenlernen: Dies sind die drei Pfeiler des kantonalen Konzepts für den Sprachenunterricht, welches Staatsrätin Isabelle Chassot, Direktorin für Erziehung, Kultur und Sport, in Begleitung der Vorsteher der Ämter für obligatorischen Unterricht am Montag, 2. Februar präsentiert hat. Ein ehrgeiziges Konzept, das für die gesamte obligatorische Schule, vom Kindergarten bis zur Orientierungsschule, bestimmt ist und auch das Gymnasium und die Berufsbildung mit einbezieht.

Zunächst die Intensivierung der heute bestehenden Lernmöglichkeiten. Dieser erste Pfeiler des Konzepts besteht darin, das derzeitige Angebot zu optimieren und dazu Schüler- und Klassenaustausche sowie das partnerschaftliche 10. Schuljahr auszubauen, Lehrmittel zu fördern, bei denen die Priorität auf der kommunikativen Kompetenz liegt, und die Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) systematischer einzubeziehen.

Anschliessend folgen die Neuerungen mit der Schaffung neuer Lernmöglichkeiten, die entweder in den normalen Unterricht integriert oder auf ausserschulischer Ebene angeboten werden: Begegnung mit Sprachen und Kulturen, Einführung von Englisch ab der 5. Primarklasse, Durchführung von Sprachprojekten in den Schulen zur Integration von Unterrichtssequenzen, wobei beide Sprachen – Erstsprache und Partnersprache – gemeinsam verwendet werden, Eröffnung zweisprachiger Klassen, von denen es verschiedene Typen gibt, und zwar vorerst nur an der OS.

Die neun Vorschläge des Konzepts streben ferner auch eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für das Sprachenlernen an: Aus- und Weiterbildung der Lehrpersonen, Einrichtung von Begleitstrukturen (Praxisbegleitung) und Einführung leistungsfähigerer Evaluationsinstrumente, Verbesserung der Lernmittel und der Arbeitsbedingungen in den Klassen.

Dieses kantonale Konzept, das der Abstimmungsniederlage im September 2000 Rechnung trägt, geht auf die zahlreichen politischen Bestrebungen ein, die seither in diese Richtung unternommen wurden. Es berücksichtigt die Änderungen, Neuerungen und Entscheide der vergangenen Jahre bei der EDK1, der CIIP2 und der NW EDK3. Es entspricht den Stossrichtungen und Leitgedanken der Freiburger Verfassung (die Anfang 2005 in Kraft getreten ist), der neuen Verfassungsartikel (2006) und des daraus resultierenden HarmoS-Konkordats (2007) sowie des Bundesgesetzes über die Landessprachen (2007). Es stützt sich auf die neuen pädagogischen und didaktischen Forschungsarbeiten, die im Fremdsprachenunterricht den Schwerpunkt vermehrt auf kommunikative und funktionale Ansätze legen. All diese Aspekte haben allmählich dazu beitragen, dass sich die Einstellung zur Partnersprache gewandelt hat; das Erlernen und Beherrschen der Partnersprache werden heute als unverzichtbar für ein erfolgreiche Eingliederung ins Berufsleben angesehen. Noch stärker ausgeprägt ist dieses neue Bewusstsein in einem Kanton wie Freiburg, in dem zwei Sprachgemeinschaften leben: Ein Brückenkanton, in dem eine bessere Kenntnis der anderen Sprache die gegenseitige Verständigung fördert und die kulturelle Identität bereichert.

Auf dieser erlebten Realität baut das kantonale Konzept auf, das die Begegnung mit der anderen Sprache und Kultur fördern und psychologische Hemmschwellen für den Gebrauch der Partnersprache beseitigen soll. Auch sollen die Jugendlichen motiviert werden, ihre sprachliche Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schule fortzusetzen. Die Freiburger Schule möchte somit ihre Bemühungen intensivieren, damit die ihr anvertrauten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit nutzen können, solide Kenntnisse im Gebrauch der Partnersprache zu erwerben; dabei soll jedoch der Stellenwert der Erstsprache oder Lokalsprache nicht geschmälert werden. Sie bildet das feste Fundament, denn eine gute Kenntnis der Erstsprache befähigt ja gerade einen Menschen erst dazu, sich für andere Sprachen und Kulturen zu öffnen.

Einige dieser Massnahmen haben keine finanziellen Auswirkungen. Andere hingegen benötigen entsprechende Mittel für die Umsetzung. Verteilt auf die fünf Voranschläge der Jahre 2010 bis 2014 sind für diese Massnahmen rund 40 Vollzeitstellen vorzusehen, insbesondere für die Eröffnung zweisprachiger Klassen und für die Unterstützung der Lehrpersonen, die Klassen mit hohem Schülerbestand zu führen haben. Zudem sind Finanzmittel in der Grössenordnung von einer Million Franken bereitzustellen, die für die Erarbeitung von Lehrmitteln, die Unterstützung diverserer Aktivitäten (Schüler- und Klassenaustausch, Einführung des Englischunterrichts in der 5. und 6. Primarklasse sowie für die Förderung der Weiterbildung der betreffenden Lehrpersonen benötigt werden. Diese Unterstützungsmassnahmen sind sehr wichtig, denn der Wert und der Erfolg jedes pädagogischen Impulsprogramms hängen stets massgeblich von jenen ab, die mit dessen Umsetzung betraut sind.

Vernehmlassungsunterlagen