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25. November: Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Bern, EBG - In der Schweiz gibt es ein breites Angebot an Beratungsstellen und Lernprogrammen gegen Gewalt in Familie und Partnerschaft. Dieses wird jedoch nur von wenigen Tätern und Täterinnen genutzt. Dabei ist gerade diese Arbeit wichtig, um Opfer besser zu schützen. Kürzlich haben sich in Bern an einer nationalen Konferenz über 250 Fachpersonen zu einem Austausch getroffen.

Häusliche Gewalt ist in der Schweiz weit verbreitet. Im Jahr 2015 intervenierte die Polizei über 14'000 Mal (rund 40 Mal pro Tag) im häuslichen Bereich und hat dabei 9'195 beschuldigte Personen registriert, 78% davon waren Männer. Der Fachverband Gewaltberatung Schweiz (FVGS) wiederum schätzt, dass im selben Jahr rund 1'500 gewaltausübende Personen ein Beratungsangebot in Anspruch genommen haben. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Täterinnen und Täter effektiver zur Verantwortung gezogen werden können, um weitere Gewalttaten zu verhindern.

"Täter und Täterinnen müssen sich mit ihrem gewalttätigen Verhalten auseinandersetzen", meint Sylvie Durrer, Direktorin des Eidgenössischen Büros für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG). Nur so könnten Opfer häuslicher Gewalt und Kinder, die in gewaltbelasteten Familien aufwachsen, nachhaltig geschützt werden. Obschon solche Angebote in vielen Kantonen bestünden, würden die Behörden eher zurückhaltend zuweisen, sagt Marc Mildner, Präsident des FVGS: "Hier braucht es mehr Engagement und eine bessere Koordination".

In der Praxis bewährt hat sich die proaktive Ansprache. Dabei leitet die Polizei Kontaktdaten des Täters oder der Täterin an eine spezialisierte Beratungsstelle weiter, welche dann die betroffenen Personen kontaktiert und zu einer Beratung auffordert. Einige Kantone haben die proaktive Ansprache bereits gesetzlich verankert und konnten damit die Beratungsquote markant steigern.