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Opferhilfe unterstützte in 20 Jahren 4577 Kinder und Jugendliche, mehrheitlich Mädchen

20 Jahre nachdem die Opferhilfe für Kinder und Jugendliche dem Jugendamt angegliedert wurde, zieht die Direktion für Gesundheit und Soziales (GSD) Bilanz über die Entwicklung der Beratung. Gewalt an Mädchen ist noch immer ein grosses Problem.

In der Schweiz gilt jede Person, die durch eine Straftat in ihrer körperlichen, psychischen oder sexuellen Integrität unmittelbar beeinträchtigt worden ist, als Opfer im Sinne des Bundesgesetzes über die Hilfe an Opfer von Straftaten (OHG). Auch die Angehörigen haben Anspruch auf Opferhilfe. Ein Grossteil der Opfer sind Mädchen und Frauen. Anne-Claude Demierre, Direktorin für Gesundheit und Soziales : „ Wir müssen diese Gewalt bekämpfen, mit Worten und Taten, mit sozialer und sexueller Erziehung, mit Prävention und Gesundheitsförderung und durch Zusammenarbeit aller Beteiligten."

Am 1. September 1996 wird die OHG-Beratung für Kinder und Jugendliche vom Psychosozialen Zentrum ins damalige Kantonale Jugendamt (heute Jugendamt ? JA) verlegt und offiziell zur Opferberatungsstelle für Minderjährige. Die neue Stelle leistet den Opfern selbst oder durch die Einschaltung Dritter medizinische, psychologische, soziale, materielle und juristische Hilfe. Anfangs noch in den gleichen Räumlichkeiten wie das restliche JA, kommen die Mitarbeitenden der Opfer-beratungsstelle (spezialisierte Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter oder Psychologinnen und Psychologen) ab 2002 in den Genuss eigener Räumlichkeiten, was die Aufnahme der jungen Opfer in Bezug auf die für diese Art von Betreuung erforderliche Diskretion und Ruhe erleichtert.

In den ersten Jahren steigt die Zahl der Beratungen für Minderjährige stark an, was insbesondere auf die bessere Sichtbarkeit der Leistungen zurückzuführen ist. So werden in den vergangenen 20 Jahren 4577 Kinder und Jugendliche beraten und betreut.

Sind es 1997 noch 71 Situationen, beläuft sich deren Zahl 2001 bereits auf 221. Im Jahr 2004 wird zum ersten Mal die Grenze der 300 Fälle überschritten. Im Laufe der Zeit wenden sich neue Opfer-Kategorien an die Beratungsstelle: Opfer sexueller Übergriffe ausserhalb der Familie, Opfer minderjähriger Täter/innen oder noch junge Mädchen, die Opfer einer Vergewaltigung wurden. Die Mehrheit der betreuten Minderjährigen (65 %) ist weiblich, wobei es sich meistens um Opfer von Straftaten gegen die sexuelle Unversehrtheit handelt. Die Zahl der Fälle in dieser Kategorie ist seit einigen Jahren stabil, auch wenn sie - proportional zur Gesamtanzahl der betreuten Fälle betrachtet - rückläufig ist. Seit einigen Jahren sind neue Arten von Straftaten zu beobachten, namentlich im Zusammenhang mit Körperverletzungen oder Belästigungen in der Schule.

Die Zahl der jährlich betreuten Fälle ist seit rund 10 Jahren stabil und schwankt zwischen 250 und 300. Die Präventionsarbeit im Bereich der Misshandlung und die berufsübergreifende Zusammenarbeit scheinen erfolgreich zu sein. Es finden regelmässig Treffen zwischen Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Kinderschutz, Aus- und Weiterbildung, Sexualerziehung und Medizin statt, bei denen insbesondere OHG-Problematiken erkannt werden können. Des Weiteren stehen dem Netzwerk neue Instrumente zur Verfügung, so z. B. das Protokoll zur Früherkennung und Weiterleitung von Fällen der Kindesmisshandlung, die Notfallkarte für Jugendliche und in Kürze ein Leitfaden zum Thema Mädchenbeschneidung.

OHG-Beratung im Kanton Freiburg

Jugendamt
Männer und Opfer des Strassenverkehrs, Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen

Frauenhaus
Opferberatungsstelle für Frauen

Betreuung im 2015 ? ein paar Zahlen
284 betreute Kinder und Jugendliche (davon 153 neue Anträge, 103 Frauen und 50 Männer)
576 Frauen (Betreuung Frauenhaus)
304 Männer und Strassenverkehrsopfer (davon 344 neue Situationen)
202 Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen (101 Männer und 101 Frauen)

OHG-Ausgaben
1 700 000 Franken, davon 370 000 Franken Soforthilfe, 105 000 Franken längerfristige Hilfe, 380 000 Franken Entschädigung und Genugtuung und 770 000 Franken Subventionen.