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Schweizer Medien transportieren traditionelle Rollenbilder

Auch der zweite Schweizer Zusatzbericht zum Global Media Monitoring Project zeigt: Frauen sind in den Medien weiterhin stark untervertreten. Die Resultate blieben auf globaler Ebene in den letzten fünf Jahren unverändert. Dies trifft auch für die Schweiz zu. Medienschaffende können dies ändern.

Weltweites Medienprojekt mit Schweizer Beteiligung
Das Global Media Monitoring Project (GMMP) findet seit 1995 alle fünf Jahre statt und liefert eine Momentaufnahme der tagesaktuellen Medien aus Geschlechterperspektive. Unter der Federführung der Schweizerischen Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten (SKG) waren an der weltweiten Er-hebung 2015 wiederum die drei grossen Sprachregionen beteiligt. Untersucht wurden ausgewählte Zeitungen, Fernseh- und Radiosendungen und zum ersten Mal auch Internet- und Twitternachrichten.

Schweiz ist durchschnittlich - aber nur dank neuer Medien
Die Resultate blieben auf globaler Ebene in den letzten fünf Jahren unverändert. Drei Viertel der tagesaktuellen News beziehen sich auf Männer, Frauen werden lediglich in 24 Prozent der Nachrichten erwähnt. Dies trifft auch für die Schweiz zu. Das durchschnittliche Ergebnis erreichte die Schweiz jedoch nur dank der neuen Medien wie Facebook und Twitter, in denen Frauen eher eine Plattform finden. Die Zeitungen der Romandie haben wiederum einen Frauenanteil von knapp einem Drittel und liegen somit über dem Durchschnitt. Auch in den Redaktionen sind Frauen in der Unterzahl (30%), ihr Anteil ist in den letzten fünf Jahren um fünf Prozent gesunken. Mehr als zwei Drittel der untersuchten Nachrichten wurden von Männern gezeichnet. Damit liegt die Schweiz unter dem weltweiten Mittel von 37 %.

Medien als Motor des gesellschaftlichen Fortschritts
Die Ergebnisse des Monitorings wiederspiegeln in keiner Weise den realen Beitrag von Frauen und Männern an aktuellen Ereignissen. So beträgt der Frauenanteil in der Schweizer Politik rund 30 %, und die Erwerbstätigkeit von Schweizer Frauen ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Die Medien transportieren nach wie vor ein traditionelles Rollenbild und verpassen die Chance, die realen Geschlechterverhältnisse adäquat abzubilden. Die Schweiz hat sich in ihrer Verfassung und im Rah-men internationaler Verpflichtungen für eine Beseitigung aller Ungleichbehandlungen der Geschlechter ausgesprochen. Die Schweizerische Konferenz der Gleichstellungsbeauftragten fordert daher die Verantwortlichen wie auch die Medienschaffenden auf, die Präsenz der Frauen und Männer in den Medien ihrem effektiven Beitrag zur Aktualität anzupassen und somit zum gesellschaftlichen Fortschritt beizutragen.

GMMP-Bericht sowie französische und italienische Übersetzungen