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Schulzahnmedizin: Mehr Klarheit bei der Kostenaufteilung

In seiner Sitzung vom 30. September 2014 hat der Staatsrat den Entwurf des Gesetzes über die Schulzahnmedizin und die einschlägige Botschaft verabschiedet. Danach wurden die Texte dem Grossen Rat überwiesen. Im Frühling 2014 hat sich die Mehrheit der Gemeinden und Gesundheitsfachpersonen im Rahmen einer breit angelegten Vernehmlassung für die Schulzahnmedizin ausgesprochen; ihre Leistungen werden somit aufrechterhalten. Allerdings sind organisatorische Anpassungen und eine Klärung der Aufgaben- und Kostenaufteilung vorgesehen.

Das neue Gesetz über die Schulzahnmedizin (SZMG) wird das Gesetz vom 27. September 1990 über die Schulzahnpflege und -prophylaxe ersetzen. In erster Linie verpflichtet dieses alle Kinder im schulpflichtigen Alter, sich einer jährlichen Zahnkontrolle und - sofern Karies festgestellt wird - einer entsprechenden Zahnbehandlung zu unterziehen. Mit dem zum Zeitpunkt seines Inkrafttretens noch neuartigen Gesetz über die Schulzahnpflege und -prophylaxe wurden an den Schulen Zahnprophylaxe- und Sensibilisierungsunterricht eingeführt.

Der Vorentwurf, der im Frühling 2014 in die Vernehmlassung geschickt worden war, stiess auf grossen Anklang. Er behandelte insbesondere verschiedene Probleme, die sich im Laufe der Jahre abgezeichnet hatten: Ungleichheiten bei der Kostenaufteilung zwischen Staat und Gemeinden, Mobilität der Kliniken (generiert erhebliche Mehrkosten), unabdingbare Anpassungen an den technologischen Fortschritt, neue Bedürfnisse in Sachen Mund- und Zahngesundheit und wirtschaftliche Zwänge.

Die Kommentare aus der Vernehmlassung konnte mehrheitlich berücksichtigt werden; die wichtigsten Punkte des neuen Konzeptes über die Schulzahnmedizin lassen sich nun wie folgt zusammenfassen:

Prophylaxe: Unterricht in Mund- und Zahnhygiene

Der Prophylaxeunterricht in den Schulen wird beibehalten.

Pädodontie: Zahnkontrollen und -behandlungen für Kinder im schulpflichtigen Alter

Wie bisher:

> Die Gemeinden organisieren die Kontrolle und die Behandlung. Dazu können sie entweder ihren eigenen Dienst schaffen oder die Aufgabe einer privaten Zahnärztin/einem privaten Zahnarzt oder noch dem Schulzahnpflegedienst anvertrauen.

> Der Staat stellt Infrastruktur und Personal zur Verfügung, wobei die Leistungen über die Gemeinden den Eltern in Rechnung gestellt werden.

> Die Eltern können die Zahnärztin/den Zahnarzt für Kontrolle und Behandlung frei wählen.

> Die Gemeinden bieten Subventionen für einkommensschwache Eltern an.

Neu:

> Die mobilen Einheiten werden nur noch für die Kontrollen benutzt; dies wirkt sich günstig auf Prophylaxe und Prävention aus, weil die Eltern in den ortsfesten Kliniken dabei sind, falls eine Behandlung erforderlich sein sollte.

> Die Mehrkosten für die mobilen Einheiten werden von den Gemeinden getragen, die dadurch in den Genuss einer einfacheren Organisation der Kontrollen kommen. Die Kosten für die ortsfesten Kliniken müssen sie nicht mehr tragen.

> Die ortsfesten Kliniken werden umfassendere Öffnungszeiten haben, um den Bedürfnissen der Eltern besser zu entsprechen.

> Projekt Zahngutscheine für Jugendliche zwischen 16 und 20 Jahren.

Kieferorthopädie: Korrektur von Zahn- und Kieferfehlstellungen

Wie bisher:

> Der SZPD erteilt auch weiterhin kieferorthopädische Behandlungen.

> Entscheide im Zusammenhang mit einer allfälligen Subvention fallen in das Ressort der Gemeinden.

Neu:

> Der SZPD kümmert sich um das Rechnungswesen der Kieferorthopädie (bislang wurden diese Leistungen von den Gemeinden bezahlt und anschliessend an die Eltern weiterverrechnet).

Aufsicht und Monitoring

Wie bisher:

> Arbeiten die Gemeinden mit privaten Zahnärztinnen und Zahnärzten zusammen, prüft der SZPD den Mindestqualitätsstandard.

Neu:

> Der SZPD richtet die Monitoring-Tools für die regelmässige Überprüfung der Politik der Schulzahnmedizin ein.

Durch die Umsetzung des SZMG können die Rollen der verschiedenen Partnerinnen und Partner geklärt und die Ungleichheiten, vor allem diejenigen im Zusammenhang mit der Finanzierung, aus der Welt geschaffen werden. Auch die Frage der Aufgabenentflechtung zwischen Staat und Gemeinden wurde aufgeworfen, jedoch ohne Auswirkungen auf bestehende Leistungen. Somit ist die Kontinuität eines Systems, das sich über lange Jahre hinweg bewährt hat, indem es die Durchführung der Mund- und Zahnpflege bei Kindern und Jugendlichen sichergestellt hat, gewährleistet.

Organisation heute/Zahlen 2013

Prophylaxe

1283 besuchte Klassen 1x/Jahr, 1. Kindergarten bis 6. Primar

Kieferorthopädie

1404 Patientinnen/Patienten und 9363 Termine in den 2 Kliniken

Pädodontie

30 250 Kinder vom 1. Kindergarten bis zur 3. Klasse der Orientierungsschule, Kontrolle 1x pro Jahr, Behandlung nach Bedarf

8 ortsfeste Kliniken, 2 mobile Kliniken für Behandlung und Kontrollen und 2 nur für Kontrollen

2014 arbeiten 129 Gemeinden mit dem SZPD zusammen, die übrigen mit privaten Zahnärztinnen und Zahnärzten.