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Die Weine aus dem Vully erhalten eine interkantonale kontrollierte Ursprungsbezeichnung

Ab dem 1. Juli erhält der Vully eine einheitliche kontrollierte Ursprungsbezeichnung (KUB/AOC) für seinen Rebberg, der sich über 153 Hektaren im Kanton Waadt und im Kanton Freiburg erstreckt. Die beiden Kantone haben eine gemeinsame Arbeitsgruppe eingesetzt, um die sieben Kriterien der eidgenössischen Weinverordnung aufeinander abzustimmen und eine interkantonale kontrollierte Ursprungsbezeichnung zu definieren.

Gemäss der neuen Bundesverordnung über den Rebbau und die Einfuhr von Wein ist eine Ausdehnung der kontrollierten Ursprungsbezeichnung über die kantonalen Grenzen hinaus möglich, wenn die gemeinsame kontrollierte Ursprungsbezeichnung in den betreffenden Kantonen denselben Anforderungen unterliegt. Bisher hatten die beiden Kantone Freiburg und Waadt jedoch ihre jeweils eigene Regelung für AOC-Weine vom Rebberg Vully, der sich auf dem Gebiet der beiden Kantone befindet.

Als das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) im November 2010 feststellte, dass in den Kantonen Freiburg und Waadt teilweise unterschiedliche Anforderungen für die AOC Vully galten, verweigerte es deren Eintragung ins Schweizerische Verzeichnis der kontrollierten Ursprungsbezeichnungen. Bestrebt darum, dieses Label wiederzuerhalten, haben die beiden Kantone eine verwaltungsinterne Arbeitsgruppe eingesetzt mit dem Auftrag, die Kriterien für die AOC Vully zu vereinheitlichen. Die Arbeitsgruppe hat einen Entwurf zur Änderung der freiburgischen und waadtländischen Erlasse im Bereich Rebbau ausgearbeitet. Nachdem dieser vom BLW genehmigt worden war, wurde er von den beiden Kantonen verabschiedet.

Die neuen, vereinheitlichten Vorschriften basieren auf den sieben, in der Bundesgesetzgebung vorgesehenen Kriterien. Das geographische Gebiet umfasst von nun an die Rebberge der Freiburger Gemeinden Bas-Vully und Haut-Vully und der Waadtländer Gemeinde Vully-les-Lacs, die von nun an ein einheitliches Produktionsgebiet bilden. Es wurde ein gemeinsames Verzeichnis der für die Herstellung von AOC Vully zugelassenen Rebsorten ausgearbeitet. Die zugelassenen Anbaumethoden wurden definiert, namentlich ein Bewässerungsverbot der Reben ab dem Beginn des Farbumschlags der Beeren. Der natürliche Mindestzuckergehalt pro Rebsorte beträgt von nun an 64° Oechsle für Chasselas-Trauben, 70° Oechsle für die übrigen weissen Rebsorten, 75° Oechsle für Pinot noir und 70° Oechsle für die übrigen roten Rebsorten. Der Höchstertrag pro Flächeneinheit wird alljährlich in gegenseitiger Übereinstimmung von den beiden Kantonen festgelegt. Mit einem Verbot der Verwendung von Eichenholzstücken und -spänen zur Aromatisierung wurden auch die Methoden der Weinbereitung präzisiert. Für die Analyse und die organoleptische Prüfung des verkaufsfertigen Weines ist die freiburgische Kommission für die Degustation von Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung KUB/AOC zuständig, die die Beurteilung aller Weine aus dem Vully vornehmen wird. Der Kommission wird neu auch ein Mitglied und eine Stellvertreterin oder ein Stellvertreter aus dem Waadtländer Vully angehören.

Diese neue Regelung, die mit der Änderung der freiburgischen Verordnung über die Reben und den Wein, des Règlement sur les vins vaudois (Reglement über die waadtländischen Weine) und des Règlement vaudois sur la limitation de la production et le contrôle officiel de la vendange (waadtländisches Reglement über die Produktionsbeschränkung und die amtliche Weinlesekontrolle) festgeschrieben worden ist, tritt am 1. Juli in Kraft. So steht der Aufnahme der AOC Vully ins Schweizerische Verzeichnis der kontrollierten Ursprungsbezeichnungen nichts mehr im Wege. Zur Erinnerung: Der Rebberg Vully erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 153 ha, davon liegen 103 ha auf freiburgischem und 50 ha auf waadtländischem Kantonsgebiet.