Schauspiel Der Streit um den Frieden

Der Streit um den Frieden

Eine spektakuläre Veranstaltung zum Gedenken an den Ewigen Frieden von Freiburg kann nicht nur auf die Vergangenheit ausgerichtet sein; sie kann sich auch nicht bloss auf eine Aufführung eines historischen Theaterstücks beschränken, mit dem ein Kapitel rekonstituiert werden sollte; dieses ist zwar wichtig, aber die Dimension der Gegenwart und die Entwicklungen in den Beziehungen zwischen den Ländern Europas, die Entwicklung der Staaten seit 1516 ... gehen weit darüber hinaus.

Unser Blick auf dieses einzigartige Ereignis, das nun 5 Jahrhunderte alt ist, kann nur durch die Brille der Gegenwart gehen. Wenn der «Ewige Frieden» von 1516 von 2016 aus gelesen wird, stellt sich nach 5 Jahrhunderten die Frage des Kriegs und des Friedens heute. Eine ewige Frage? Trotz Verträgen, internationalen Organisationen, um die Voraussetzungen für eine friedliche Beilegung der Konflikte zu schaffen, Schiedsgerichten und Projekten der Denker seit Jahrhunderten, gibt es weiterhin Kriege, und sie stellen sogar die humanitären Fortschritte der letzten zwei Jahrhunderte in Frage.

Der Streit um den Frieden (vorläufiger Arbeitstitel nach dem Titel der Abhandlung Querela pacis undique gentium ejectae rofligataeque, die Erasmus genau 1516 veröffentlicht) wird deshalb auf der Kluft zwischen der Vergangenheit und unserer Gegenwart konstruiert. Der Streit um den Frieden wirft einen neuen Blick auf das historische Ereignis von 1516 und hinterfragt unsere Gegenwart.

Die Aufführung setzt sich aus einer Reihe von Szenen oder Tableaus, die von jungen Schauspielern, Statisten, Sängern und Musikern dargestellt werden, zusammen. Diese Tableaus, die sich zwischen die offiziellen Reden schieben können, werden während der folgenden Aufführungen an einem Stück gespielt.

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Der Streit um den Frieden

1515 setzt die Schlacht von Marignano dem Mythos der unbezwingbaren Schweizer ein Ende.
1516 sichert der Frieden von Freiburg den Kantonen komfortable Einkommen und dem König von Frankreich die besten Soldaten Europas.

Weshalb den 500. Jahrestag dieses Friedens, der so wenig friedlich ist, feiern? Schon nur, weil dieser ewige Frieden seinem Namen vollkommen gerecht wird. Während andere Verträge zerrissen wurden, kaum waren sie unterschrieben worden, wurde dieser trotz der Wechselfälle der Geschichte, welche die Schicksale der beiden Länder unentwirrbar verbunden hat, nie gekündigt.

Aber dieser Jahrestag bildet auch die Gelegenheit, sich Fragen über unsere Zeit zu stellen, in der die Kriege nicht mehr den konventionellen Kategorien von Krieg und Frieden entsprechen und hauptsächlich zivile Opfer fordern, wie das Henri Dunant vorhergesagt hat. Millionenweise fliehen die Leute den Krieg, ihre Zahl kommt zu denjenigen der Wirtschaftsflüchtlinge und der heimlichen Migranten dazu; in diesen totalen Kriegen wird die Genfer Konvention nicht mehr beachtet.

In «Der Streit um den Frieden» dauert der Kampf zwischen Erasmus und Macchiavelli seit 500 Jahren. Die Schweizer Soldaten von Marignano treten im Atelier des Malers Ferdinand Hodler, der zum Skandal wird, den Rückzug an. Die Bedingungen des Friedens von Freiburg werden hart verhandelt; sogar die genaue Zahl der Käse, die von der königlichen französischen Marine gekauft werden, wird festgelegt. Präsident Fallières, der in der Schweiz auf Besuch ist, wird von einem Zug von Journalisten und Kokotten begleitet, Napoleon isst eine Omelette in Murten und modelliert die Schweiz, die Philosophen der Aufklärung bauen immer albernere Projekte für den Ewigen Frieden, die Marionetten von Adolf Hitler und Joseph Stalin tauchen aus dem Albtraum der Geschichte auf... Junge Europäer treffen junge Flüchtlinge: Was haben sie gemeinsam? Können Sie ihre Angst überwinden? Wie lernen Sie, jeden Tag in ihrem Leben auf dem Weg der Menschlichkeit zu bleiben?

Michel Beretti